Utopische Vorstellung: Besuch in der anarchistischen Fabrik von 1992

31.7.1992 Besuch Es gibt in der Fabrik keinen Besuchsstop nur größere Gruppen müssen sie sich für eine Führung vorher anmelden. Die kostet dann mit einem gesunden Mittagessen und Nutzung aller Informationsmöglichkeiten wie Zeitungsarchiv Bibliothek und Datenbank 10 DM. Auch einzelne die nicht direkter Besuch eines Bewohners sind gehen erst mal ins Büro und bekommen Informationen, wo er bleiben und übernachten können und wo sie sich zu einem Praktikum vorstellen können. Das kann sich nach der Art der Arbeit richten oder nach den sonstigen Schwerpunkten der Gruppe zB Kunst Kommunikation oder Forschung. Wer sowieso auf der Reise ist, kann nach einem Rundgang gleich mit einem der Transporter in eine Filiale fahren und dort das Ende der Produktionskette ansehen. Wo eine Gruppe von vier bis 8 Menschen das zusammensetzt und endbearbeitet, was in der Fabrik entsprechend vorbereitet wurde. Die Filialen sind immer Teil eines Doppelprojektes. Das ist bei der Kalkulation gleich berücksichtigt worden daß auch in den Filialen nicht mehr als 25 Wochenstunden für eine gute Lebensqualität bei vernetzter Lebensweise gearbeitet werden muß. Dort wo es noch nicht vorhanden war einer Mischung aus Teestube und Infoladen mit unterschiedlichsten Zeitungen und Büchern Gruppenraum Kopierer Computer um allen von Links bis Alternativ die Möglichkeit zu geben sich zu informieren und kommunikativ zu arbeiten. Unsere Besucherin Iris ist 20 hat grade Abitur und möchte sich orientieren. Sie will morgens mitarbeiten um kostenlos wohnen und alles nutzen zu können. Sie kommt in die Kommune x die die westlichen Filialen betreut und für sie die Zuschnitte Fräsungen und sonstige Zurichtungen ausführt und kompliziertere Verleimungen die mit den dortigen Mitteln nicht machbar sind.. Sie bekommt ein Gästezimmer und sitzt bald mit in dem großen Eßraum am Abendbrottisch. Am nächsten Morgen ist sie mit sechs andere in der Werkstatt. Ein Haufen Aufträge wird erst mal danach sortiert, was einfach im Zuschnitt aus dem Bestand genommen werden kann. Einiges muß aus einem Speziallager geholt werden ein bestimmte Sorte Beschläge wird per Fax bestellt und eine grosse Tischplatte wird aus Lamellen in einem grossen Rahmen speziell verleimt. Sie fährt mit Sven mit dem Seitenstapler ins Lager fährt Leimholzböden um den Tagesvorrat an der Aufteilungssäge zu ergänzen. Sie schauen auch in die nächste Halle wo an einem Ende die unterschiedlichsten Latten auf Rollwagen sortiert darauf warten zu Böden verleimt zu werden. Zwei machen eine Endkontrolle und versuchen möglichst einheitliche Latten zu gleichwertigen Böden zusammenzustellen. Die Latten werden dann durch eine Einleimanlage geschickt um dann in einem gewaltigen Verleimstern in rotierenden Ebenen ausgerichtet und gepreßt zu werden. Danach erfahren die Böden noch weitere Bearbeitung erst mit dem Hobel dann mit einem Breitbandschleifer der mit breiten rotierenden Schleifbändern die letzte Maschinenglätte erzeugt. Sven packt mit Iris aus dem dahinterliegenden Lager diverse Böden steckt dann seine Liste in ein Lesegerät woraufhin ein Drucker bei den Sortierern eine Bogen ausspuckt auf dem zu geringe Lagermengen durch die Entnahmen angezeigt werden. „Werdet ihr dann nicht zu Sklaven des Computers“? fragt Iris. „Nein die liefern nur die Rohdaten mit denen wir machen können was wir wollen. Wir bekommen keine Zeitvorgabe aber die Listen beziehen noch die allgemeine Auftragslage ein und wesentlich ist wer bereit die Arbeit jetzt zu machen andererseits machen wir auch mehr Vorrat wenn auch mehr ihre Arbeitszeit abarbeiten wollen, aber eine gute Übersicht vermeidet Hektik und Mehrarbeit die entsteht, wenn wir spezielle Kleinmengen dazwischenschieben müssen. In der eigentlichen Fabrikation möchte jeder möglichst schnell fertig sein. Wir akzeptieren die Arbeit und wenn sie sich auf 5 Stunden am Tag beschränkt kommt jeder mit seinen übrigen Interessen noch gut zurecht“. Wer sich mit seiner praktischen Arbeit selbst den ganzen Tag verwirklichen will ist hier falsch. Wir sind mit mehreren Tischlereinen befreundet mit denen wir auch tauschen in denen das möglich ist. Wir haben auch eine Kreativwerkstatt in der jeder sich austoben kann und wo auf Effektivität nicht geachtet werden muß. Ein alter Meister der noch viele Techniken beherrscht die heutigen Tischlern nicht mehr beigebracht werden hilft Anfängern gerne weiter Hier kommen auch Tischler aus anderen Betrieben die dort weder Muße, Werkzeug noch Anregungen für ganz spezielle Interessen finden.“ Sie fahren den Stapel zu einem Gestell mit rotierenden Ebenen die immer den gewünschten Boden direkt vor die Aufteilsäge postiert wo mit äußerster Präzision Schnitte in allen Winkeln ausgeführt werden können. In einem Nebenraum fräst eine Kette viereckige Löcher in Latten genau dort wofür sie programmiert wurde. die Latten wandern zusammen mit den Sprossen in die Filialen wo sie zusammengesetzt und endbearbeitet werden genau wie die Böden die mit einer anderen Maschine stapelweise ausgeeckt werden. „Ist das nicht eine ungeheure Verschwendung was ihr hier macht mit dem vielen Holz?“ fragt Iris. „Unsere Möbel sind keine Verschleißteile und wir achten darauf, daß wo wir es schlagen nachher aus einer ökologisch fast wertlosen Baumplantage wieder ein lebendiger Organismus wird aus dem wir nur noch viel weniger entnehmen können, das aber regelmäßig. Wir befinden uns hier in einer Übergangsphase. Demnächst machen wir an den Orten auch eine Tauschbörse wo unsere Produkte zurückgegeben und aufgearbeitet werden können. Andererseits arbeiten wir mit an Projekten von flexibel nutzbaren Räumen in die unsere Möbel optimal integriert werden. Am nächsten Morgen will Iris in eine Filiale mitfahren wohin ein Lastwagen mehrere Paletten mit Regalteilen ausliefert. Hannover ist die größte Filiale erst vor einem halben Jahr in größere Räume umgezogen wo 8 Leute Arbeitsmöglichkeiten haben und wo auch der meiste Zuschnitt in allen gängigen Bödenteilen selbst erledigt wird. Darum nimmt auch ein langer Stapel verleimter und geschliffener Böden den meisten Platz ein daneben noch ein kurzer mit verschiedenen Tischplatten und ein anderer mit einem Haufen Holmen und passenden Sprossen. die verkaufen soviel wie die ganze Fabrik ein halbes Jahr nachdem sie auf die grüne Wiese zog. Wir sind am überlegen ob wir nicht Stadtteilbezogen dezentralisieren und nur den Zuschnitt an einer Stelle lassen. Eine Palette kommt noch mit vielen einzelnen Teilen. In Celle müßt ihr eben noch vorher rum da haben zwei Typen einen Infoladen aufgemacht mit einem Kopierer einem Zeitschriftenregal einer Sitzecke und mehreren von unseren Musterregalen. Jetzt haben sie sogar schon ein paar Bestellungen. Kurt einer von den beiden hatte die letzten Tage in der Fabrik mitgearbeitet und dabei einiges Wissen über Zusammenbau und Oberflächenbearbeitung vervollständigt. Jetzt besetzte er den dritten Platz im Fahrerhaus um mit zurückzufahren. „Schön daß ihr für meine Palette noch Platz hattet und den Umweg fahrt“. „Ach was sonst hätten wir den Kram eben per Hand obenauf gepackt. Wir lassen Euch doch bei Eurem schweren Anfang nicht in Stich sieht doch gut aus wenn die ersten Regale besonders pünktlich kommen“, meint Turban. Die Fahrt auf der Autobahn 2 Stunden in einer langen Kolonne Lastern und noch eine halbe auf der Landstraße und schon waren sie dank Kurts guter Einweisung vor dem kleinen Laden. da sie nur kurz halten konnten luden sie zu viert rasch alles aus fuhren den Laster um die Ecke und hatten jetzt Muße bei Kräutertee oder Kaffee einen aus zu schnacken. Hurz der andere Typ der schon im Laden wartete war ein halbes Jahr in Neustadt gewesen und hatte beim Ausbau des Technikhofs mitgearbeitet der zweiten groáááen Gráándung dort nach der Konsolidierung des Ökohofs vier Jahre nach der grade noch abgewendeten Pleite. 31.8.1992 Ihm war aber das ständige Rotieren in den Verschiedensten Projekten über den Kopf gewachsen überall traf er auf Projektler manche die kaum über ihren eigenen Betrieb rauskuckten mache die nur das Machbare interessierte wenige die mehr als N interessierte und vor allem eine Gruppe die ständig allen klar machen wollte wie richtige Anarchisten auszusehen haben eben wenn sie es genauso machen wie die es sich vorstellen. Bei den meisten stießen die auf Granit aber für Hurz brachte es das Faß zum überlaufen. Er sehnte sich nach einem Ort wo noch ganz einfache Aufbauarbeit von ganz unten ganz vorne zu leisten war ohne gleich die Erwartung aller mittragen zu müssen. Er hatte Kurt besucht der in Celle geblieben war und hier in verschiedenen Initiativen mitarbeitete, darunter auch einen vierzehntägigen Informatonskreis über das praktische Erleben von Anarchie und Vernetzung. Sie hatten die Möglichkeit diskutiert eine Filiale des Fabrikprojekts einzurichten sich in OL eigeklinkt einer hatte einen Monat mitgearbeitet der andere nach Räumlichkeiten gesucht und den alten Laden gefunden. Ihr Geld ging für die Renovierung drauf einige Kommunikationsgeräte wie Computer mit Mailbox Kopierer und Fax und benutzbare Musterregale bekamen sie von der Fabrik, einige Initiativen machten sofort mit um die Räume mit ihnen zu nutzen. Zur Einweihung vor zwei Wochen kamen 2oo Leute viele kluge Worte warum Anarchie nicht funktionieren kann und warum Projekte immer zur Integration in die kapitalistische Gesellschaft führen müssen. Um 2 Uhr kam die Polizei auf Beschwerden von Nachbarn, etliche nahmen auch Prospekte der Fabrikproduktion und jetzt waren die ersten Bestellungen eingelaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.